2020-06-14 14:12:27 Constance Hartung

Ich denke mit Dankbarkeit an Professor Dr. Dr. h.c. mult. Kurt Rudolph. Sein Verständnis der Religionswissenschaft hat mich geprägt: Religionsgeschichte im wahrsten Sinne. Ich erinnere mich an sein Seminar zu Methoden in der Geschichtswissenschaft ganz am Anfang meines Studiums in Marburg, an das Seminar „Religionswissenschaft und Religionskritik“. Das sollte mir eine wissenschaftliche Welt eröffnen: Seminare zur kritischen Auseinandersetzung mit Begriffen der Religionswissenschaft – „Religion und Magie“ – „Das sogenannte Heilige“ u.a.; meine ersten lesenden Begegnungen mit dem Koran, begleitet durch seine Einführung in der DDR-Reclam-Ausgabe, die ich mir gekauft hatte. Und darauf folgten die Seminare zum modernen Islam in der Religionskundlichen Sammlung, die er gemeinsam mit Professorin Dr. Ursula Spuler-Stegemann hielt. Ja, es war seine Lehre, aber es gaben auch die persönlichen Begegnungen im Haus „Am Plan“, wo die Religionsgeschichte ihr Büro und ihre Bibliothek hatte, meinem Studium Richtung. Die freitäglichen Morgenrunden, in denen die Lehrenden und wir als studentische Hilfskräfte und Assistenten zusammenkamen, boten Breite an Themen; seien es vorderasiatische Erlösungsreligionen, Gnosis, Mandäer oder ebenso die Erinnerungen an Leipzig, Sachsen und Thüringen sowie mancher versteckte Witz, der Kurt Rudolph eigen war. Mit letzterem kommentierte er auch die gemeinsame Fahrradfahrt und Feier, die wir, Studentinnen und Studenten verschiedener Fächer, ihm im Anschluss an seine Abschiedsvorlesung organisierten. Meine Studienzeit in Marburg ist verbunden mit Kurt Rudolph, den ich als Menschen und Lehrer in tiefer Erinnerung behalten werde.